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Wo Generationen
gemeinsam leben.

Ein Zukunftsprojekt auf drei starken Pfeilern

Das Gesamtprojekt «Stöcklimatt» gründet auf drei soliden Pfeilern. Teilprojekt I umfasst das Bauprogramm mit den Wohnungen und der Dienstleistungsinfrastruktur. Teilprojekt II befasst sich mit der Sozialraumentwicklung für das Quartier, die Gemeinde Hitzkirch sowie das Einzugsgebiet des Gemeindeverbandes Chrüzmatt Hitzkirchertal. Eruiert werden dabei die demografischen und strukturellen Rahmenbedingungen sowie die Perspektiven und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner dieser Region. Teilprojekt III definiert die Angebote und Dienstleistungen der Institutionen «Chrüzmatt» und «Stöcklimatt». Die drei Teilprojekte beeinflussen sich gegenseitig. Der Start zur Ausarbeitung und Umsetzung der Teilprojekte ist erfolgt.

Teilprojekt I – Wohnraum

Mit der «Stöcklimatt» entsteht ein Wohnquartier, das die Generationen vereint. Alt und Jung finden sich in einer übersichtlich gebauten Anlage mit vielfältigen Gebäuden und Infrastrukturen. Die breite Palette an Wohnungseinheiten in geeigneter Durchmischung ermöglicht das Neben- und Miteinander unterschiedlichster Nutzungsgruppen. Zum Raumprogramm gehören auch eine Kindertagesstätte, Aktivitäts- und Gesellschaftsräume, Therapieräume sowie die bauliche Erschliessung der nahegelegenen «Chrüzmatt» mit ihrer Angebotspalette. Insgesamt entstehen rund 80 Wohnungen. Die Umsetzung ist in mehreren Etappen vorgesehen. Die erste Etappe soll im Jahr 2021 realisiert werden. Die zweite und eine mögliche dritte Etappe folgen nach Bedarf, wobei Letztere als langfristige Ausbauoption betrachtet wird. Ziel ist es, die maximal mögliche Ausnützung des Areals aufzuzeigen.

Architekturwettbewerb setzt Akzente

Für das Gesamtprojekt wurde 2018 eine Machbarkeitsstudie erstellt. Den nächsten Schritt bildet ein zweistufiger Architekturwettbewerb. Die erste Stufe besteht aus einem Präqualifikationsverfahren, das acht bis zwölf Teams für die Teilnahme am Wettbewerb bestimmt. Der Entscheid zur Präqualifikation wurde Anfang Juli 2019 gefällt. Zweite Stufe ist der eigentliche Architekturwettbewerb mit einer Fach- und Sach-Jury, bestehend aus wettbewerbserfahrenen Architekten aus der Schweiz sowie Vertreterinnen und Vertretern der Bauherrschaft, des Betriebs und der Gemeinden sowie weiteren Experten. Der Wettbewerb startete bereits Mitte Juli 2019 und endet Ende November 2019. Das Siegerprojekt wird im Verlaufe des Januars/Februars 2020 der Öffentlichkeit präsentiert. Die nächsten Schritte sind Bürgschaftsabstimmungen in den Gemeinden bis Ende 2020 und – bei hoffentlich positivem Entscheid – die Erarbeitung des Gestaltungplans sowie die Erstellung der Baubewilligungsunterlagen. Das gesamte Investitionsvolumen inklusive Landkauf beläuft sich auf 44,8 Millionen Franken. Das Investitionsvolumen für die erste Etappe beträgt 24 Millionen Franken.

Teilprojekt II – Sozialraumentwicklung

Das Konzept «Stöcklimatt» gründet auf einer klaren Vision: Die Lebensqualität aller Bewohnerinnen und Bewohner – vor allem der betagten Mitbürgerinnen und Mitbürger, der Familien, aber auch der alleine Lebenden – soll verbessert werden. Gestärkt werden sollen auch die Kommunikation und die soziale Interaktion. «Der intergenerative Ansatz fördert die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Generationen sowie ein Zusammenleben, bei dem man sich nach Möglichkeit gegenseitig unterstützt», präzisiert der Gemeindeverband Chrüzmatt Hitzkirchertal in seiner Strategie. Damit soll auch die zukünftige Altersversorgung finanzierbar und somit sichergestellt sein. Vision und Strategie vereinen sich im Slogan «Wo Generationen gemeinsam leben»

Gegenseitige Hilfe im Sozialraum

Die Brücke von der Vision zur Realität bildet die Sozialraumentwicklung. Es handelt sich dabei um einen geografisch klar definierten Beziehungs- und Verhaltensraum, in dem sich Menschen gegenseitig unterstützen. Der Sozialraum ist aber auch ein Versorgungsraum mit zielführenden Angeboten. Auf die «Stöcklimatt» bezogen handelt es sich um das Quartier, die Gemeinde Hitzkirch und das weitere Einzugsgebiet des Gemeindeverbandes. Die geografischen und strukturellen Bedingungen sowie die Perspektiven und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner des Verbandsgebiets werden analysiert, um den Sozialraum weiterzuentwickeln.

Mit der Sozialraumentwicklung «Stöcklimatt» entsteht ein eigentlicher Hub für die zukünftige Ausgestaltung von Gemeinsamkeit und Gemeinsinn im Hitzkirchertal. Der Nutzen ist generationenübergreifend:

  • Unterschiedliche Ressourcen von Menschen und institutionellen Anbietern können genutzt werden, indem zwischen ihnen Kooperations- und Angebotsstrukturen entwickelt und künftig gepflegt werden.
  • Eine Koordinationsstelle nimmt im Sozialraum eine proaktive Beobachtungs-, Anlauf-, Vermittlungs-, Initialisierungs-, Support-, Koordinations- und Kommunikationsrolle wahr.
  • Der sozialräumliche Ansatz mit der Schaffung einer Koordinationsstelle ermöglicht den optimalen Einsatz unterschiedlicher Ressourcen, fördert in seiner Gesamtheit selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden und stellt insgesamt eine kostengünstigere Lösung dar als ein weiterer Ausbau mit Pflegebetten in der «Chrüzmatt».

Die Sozialraumanalyse stützt sich auf folgende Erhebungen:

  • Aufbereitung sozialstruktureller und sozialgeografischer Primärdaten des Bundesamts für Statistik (BfS), von Statistik Luzern (LUSTAT), Drehscheibe 65 plus Seetal, Zentrumsentwicklung Hitzkirch: Standortmanagement und Altersleitbild Hitzkirch.
  • Erhebung und Aufbereitung von Informationen über infrastrukturelle Bedingungen wie die Verteilung freiwilliger und kommerzieller Dienstleistungen oder die Anbindung an den öffentlichen Verkehr.
  • «Echoraum»-Veranstaltung mit der interessierten Bevölkerung.
  • Einzel- und Gruppeninterviews mit Expertinnen und Experten, Behördenmitgliedern und freiwillig engagierten Personen

Eine gezielte Sozialraumentwicklung trägt also dazu bei, lokal und regional passende Angebote optimal zu entwickeln und zu steuern sowie Lebenswelten in Zusammenarbeit mit den Betroffenen zu gestalten. Eine Auswertung der sozialräumlichen Anforderungen liegt vor und ist in das Programm für den Architekturwettbewerb eingeflossen (Teilprojekt I).

Gute Resonanz aus dem «Echoraum» ...

Anlässlich des «Echoraums», der Anfang Februar 2019 stattfand und von 140 Interessierten besucht wurde, wurden Kernpunkte wie der Umgang mit Generationen genannt (Schaffung von Ruhe-Inseln, Häuser speziell für ältere Bewohner), Raumwünsche artikuliert (Wohnqualität, Platz für gemeinschaftliche Aktivitäten, Grün- und Gartenanlagen), spezifische Dienstleistungen erwähnt (Angebote auch für Externe, Mobilitätsangebote sowie Auswahl der Angebote und die Freiwilligenarbeit). Schliesslich wurde der Wunsch nach weiterer Partizipation geäussert (Anregungen aus der Bevölkerung, laufende Information, Regeln des Zusammenlebens usw.)

... und aus den Interviews

Fakten- und facettenreich gestalteten sich auch die Einzel- und Gruppeninterviews. Sie wurden mit Exponentinnen und Exponenten aus Politik, Wissenschaft, Verbandswesen, Sozial- und Freiwilligenarbeit geführt. Generell werden Vision und Projektidee als zukunftsweisend bezeichnet. Im Kern sei die Lösung «Stöcklimatt» auch in Zukunft finanzierbar, während ein Pflegebettenausbau zu teuer käme. Die Erwartungen an das Mehrgenerationenwohnen sind ebenso unterschiedlich wie die Einschätzungen, die von Begeisterung bis zu Skepsis reichen.

Erkannt werden der Mehrwert betreuten Wohnens für den Lebensraum Hitzkirchertal, der Nutzen der «Stöcklimatt»-Angebote auch für Externe sowie die Synergien zwischen «Chrüzmatt» und «Stöcklimatt». Als Herausforderung wird der Umstand gesehen, dass altersgerechtes und betreutes Wohnen auch für Bezüger von Ergänzungsleistungen bezahlbar sein soll. Das räumlich nahe Zusammenleben aller Generationen wird als Chance betrachtet. Dies im Hinblick auf die gegenseitige Hilfe und Unterstützung. Zentral ist eine Forderung, welche die bestehende, funktionierende Freiwilligenarbeit betrifft. So sollen die freiwillig erbrachten Dienstleistungen in der «Chrüzmatt» und im Hitzkirchertal bestehen bleiben bzw. bedarfsgerecht ergänzt werden. Dazu soll ein «Dienstleistungsinventar» erstellt werden.

Die weiteren Handlungsschwerpunkte

Das Projekt «Stöcklimatt» entsteht in rollender Planung, die immer wieder überprüft wird. Derzeit lassen sich für die zukünftige Arbeit folgende Handlungsschwerpunkte ableiten:

  • Information
  • Begegnung und Partizipation
  • Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenarbeit
  • Professionelle Dienstleistungen
  • Gesundheits- und Autonomiemanagement
  • Sozialräumliche Kontakt-, Koordinations- und Animationsstelle
  • Weiterentwicklung der Vision «Stöcklimatt»

Teilprojekt III – Angebote und Dienstleistungen

Perimeter dienen als Orientierungshilfe bei der Umsetzung. Zur weiteren konzeptionellen Klärung und praktischen Umsetzung werden im Rahmen der Sozialraumentwicklung sogenannte «Perimeter» definiert. Unter diesem Begriff werden unterschiedliche ausdehnungsrelevante Verwaltungs- oder örtliche Struktureinheiten verstanden:                            

Nukleus Stöcklimatt mit Chrüzmatt (Perimeter 1) Die beiden Institutionen «Chrüzmatt» und «Stöcklimatt» bilden gemeinsam das Kompetenz- und Dienstleistungszentrum «Wohnen im Alter» für das Hitzkirchertal. Unter Nutzung von Synergien erbringen sie Dienstleistungen, die sie graduell abgestuft für das gesamte Verbandsgebiet anbieten. Im Kern handelt es sich um die «Chrüzmatt»-Dienstleistungen in den Bereichen betreutes Wohnen (Notfallhilfe, medizinische Leistungen und Unterstützung bei der Pflege) sowie Service (Leistungen, die extra bezahlt werden müssen wie Reinigung, Wäschedienst, Mahlzeitendienst, Einkaufsservice oder Mittagstisch).

Zum Quartier (Perimeter 2): Die im Quartier vorhandene Generationendurchmischung stellt für die sozialräumliche Entwicklung ein interessantes (Mitwirkungs-) Potenzial dar. In diesem Gebiet vorhandene professionelle und freiwillige Ressourcen und Dienstleistungen könnten einfacher als anderswo zur Unterstützung von «Stöcklimatt»-Bewohnerinnen und -Bewohnern genutzt werden. Aufgrund der Nähe zur «Stöcklimatt» und der hohen Hindernisfreiheit kann das Quartier zwischen Bahnhofstrasse, Luzernerstrasse, Seilerstrasse und Alter Landstrasse gleichzeitig mit einem höheren Dienstleistungsgrad als die Perimeter 3 (Gemeinde Hitzkirch) und 4 (weitere Gemeinden des Verbandsgebiets) versorgt werden.

Gemeinde Hitzkirch (Perimeter 3): Die verschiedenen Ortsteile der Gemeinde Hitzkirch weisen sehr unterschiedliche Wohnsituationen, Infrastruktur- und Dienstleistungsangebote auf. Auch die altersrelevanten topografischen Bedingungen (Hanglagen), die zurückzulegenden Distanzen sowie die damit zusammenhängende Versorgung mit dem öffentlichen Verkehr unterscheiden sich stark. Deshalb wurde der mehrheitlich ebene Zentrumsort Hitzkirch mit hoher Angebotsdichte und der Nähe zur «Stöcklimatt» als eigener Perimeter definiert.

Weiteres Verbandsgebiet (Perimeter 4): Die äusseren Ortsteile von Hitzkirch sowie die vier Verbandsgemeinden Aesch, Altwis, Ermensee und Schongau weisen soziale, versorgungsrelevante und topografische Gemeinsamkeiten auf, die einen eigenen Perimeter nahelegen. Neben den zentral und dezentral erbrachten professionellen Dienstleistungen sind die Bewohner dieses Perimeters in ihrer eigenen sozialen Versorgungskompetenz (Nachbarschaftshilfe, freiwillige Besuchs- oder Fahrdienste, gemeinschaftliche Aktivitäten, Autonomieerhalt, altersgerechte Wohnungen) zu unterstützen. Umgekehrt lassen sich Ressourcen aus allen Teilen dieses Perimeters für die zentrale Angebotserbringung nutzen, von der wiederum das ganze Hitzkirchertal profitiert.